Soundcheck: Henrik Freischlader

Henrik Freischlader ist ein eher in Fachkreisen bekannter Deutscher Blueser. Und das völlig zu unrecht!

Er bringt einen unglaublichen Sound und Druck auf die Bühne – und dazu strahlt er noch eine Souveränität und Coolness aus, von der viele andere Sternchen manchmal auch nur träumen können. Aber wie genau versetzt er seine Gitarre eigentlich mit dem Wumms?

Henrik Freischlader - Quelle: Fotocommunity.de.

Henrik Freischlader – Quelle: Fotocommunity.de.

Zu aller erst: Er nutzt wie jeder Stilechte Elektrische Blueser natürlich mehr als eine Gitarre. Bevorzugen tut er hier eine Gibson Les Paul sowie eine Tele und eine ES535. Natürlich greift er auch mal ganz gern zur Strat. Lustigerweise ist seine Hauptstrat keine original Fender sondern kommt aus dem Hause Haar, trägt aber trotzdem einen Fender-Aufkleber. Noch eine Besonderheit: Er besitzt jeweils in der Hauptsache eine in den 60ern Gebaute Strats und Teles. Seine LP ist ‚lediglich‘ Custom Made und auf 1959 getrimmt.

Gehen wir weiter zu den Amps! Natürlich wurde ihm von Realtone ein Signature Head gewidmet, den er auch Live einsetzt. Zusätzlich hat er noch einen Realtone Custom KT66 Head. Als Cabinets nutzt er einmal ein Vox 2×12″ von der Stange und einen Marshall 4×12 mit 30 Watt Greenbacks, Baujahr in den ’70ern.

Dann noch zu dem Spannendsten: Bodentreter. Was hat so ein Deutscher Gitarrenenthusiast eigentlich auf seinem Board? Natürlich: Ibanez Tube Screamer – und zwar gleich zwei: Den TS 808 und den TS 9. Tube Screamer gehören eigentlich auf jedes Board, sowieso bei Bluesern. Dann noch einen Vetterson Custom HF-1. Was genau der macht, kann ich auch nach ausführlicher Recherche nicht sagen. Sein Wah ist eins von Fulltone: Clyde Deluxe. Dazu kommen dann noch die Standards: Supa-Trem und Deja-Vibe sowie Boss DD 5 und TU 2. Viel mehr erwähnenswertes findet sich nicht in seinem Pedalboard.

Mit seinem markanten harten Sound hat er sich inzwischen auch international einen Namen verschafft. „The Blues“ ist ein Paradebeispiel für alle oben beschriebenen Attribute.

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Frampton is still alive.

Eigentlich sollte jeder musikbegeisterte Peter Frampton kennen, der ja stets als Koryphäe des Gitarrenolymp gehandelt wird. Gerade mit seinem Vorzeige-Livealbum „Frampton comes alive“ von 1976 hat er eine 6-Fach Platin-Steilvorlage gelandet, von er praktisch bis heute Leben kann. Hits wie Do you feel like we do und Show me the way gehen einfach unter die Haut und machen Spaß – und durch die Sinnvollen und spaßigen Einlagen mit der Talkbox bekommen sie eben den typischen Frampton-Stempel aufgedrückt. In seiner ersten Band spielte Frampton übrigens bereits im Alter von 9 Jahren. Seitdem hat er einen sehr eigenen Spielstil, gerade was Improvisation angeht, entwickelt und weiterentwickelt, in dem nicht immer nur gerade Töne und reine Pentatoniken ihren Platz finden – aber nichts was er spielt wirkt irgendwie deplatziert, wie bei anderen Gitarristen der Fall, die genau das gleiche veruschen. Er selbst sagt in Interviews, dass er kein Muster hat, nach dem er vorgeht. Nun zum Sound! Fangen wir bei dem einfachsten der Komplexen Maschinerie an: Seiner Hauptgitarre.

Peter Framptons Orginal Les Paul (Photo by Peter Frampton)

Peter Framptons Orginal Les Paul (Photo by Peter Frampton)

Im Allgemeinen Spielt Peter nur Gibson Les Paul-Gitarren, entweder er spielt da seine original aus dem Jahre 1959 stammende Les Paul oder seine Schwarze Les Paul Custom mit den dreiHumbuckern, die übrigens auch als Signature-Modell käuflich ist. Speziell bei dieser Gitarre lassen sich nicht alle drei Humbucker einzeln schalten, sondern nur Steg + Mitte oder Halspickup. Mit einem Trick am Lautstärkepoti kann er allerdings dem Stegpickup den Saft abdrehen. Seine Original Les Paul aus 1954, die er mit den drei Humbuckern ausgerüstet hatte, ging übrigens in den 80er Jahren bei einem Flugzeugabsturz verloren und wurde vor Kurzem von einigen Gitarrenliebhabern in der Karibik gefunden und ihm wieder ausgehändigt. Er ließ sie restaurieren und will sie nun „nie wieder auch nur in die Nähe eines Flugzeuges“ bringen. Alles nach der Gitarre geschaltete ist allerdings alles andere als einfach und die Details würden vermutlich jeden Rahmen sprengen (und sind ohnehin geheim). Die Grundzüge seines Systems werde ich aber doch näher ausführen.

Sein Grundsound kommt aus einem Marshall-Röhrentopteil mit einer eher mittelstarken Verzerrung, die ein 4x 12″ Cabinet betreibt. Ein Zweites Röhrentopteil steht auf volle Verzerrung, um den Charakteristischen Sound der Frampton’schen Talkbox zu bekommen und treibt ein zweites 4×12″ Cabinet an.

Sein Effektrack kommt übrigens nicht von ihm selbst, das hat der Designer Mark Snyder für ihn Zusammengestellt, der unter anderem auch für größen wie John Petrucci den Guitar Tech gemimt hat.

Das Effektrack besteht an sich aus mehreren Delays von TC Electronic und Korg. Ansonsten noch ein Chorus von TC Electronic und einige Custom-Geräte von oder für Mark Snyder und den Amp-Umschaltern, Stimmgerät, Overdrive, Pitch-Shifter und Stromversorgung. Gesteuert wird das von einem entsprechend dimensionierten MIDI-Controller. Neben seinen beiden Marshall-Amps hat er auch noch Geräte von Ampeg und Mesa Boogie im Rack, allerdings kann ich nichts genaueres über deren Einsatz sagen.

Allgemein kann man Frampton also sowohl vom Musikalischen als auch vom Technischen Anspruch heraus als hoch einstufen.

Wer Mehr von Frampton hören möchte, schaue sich das angehängte Youtube-Video an, in dem die Talkbox ein Zentrales Element darstellt. Ansonsten sei jedem Jedes Album ans Herz gelegt. Mir haben es vor Allem Frampton Comes Alive und Thank You Mr Churchill angetan.


Soundcheck: B.B. King

Er ist der ‚King of the Blues‘, hat an die hundert Tonträger veröffentlicht und laut dem ‚Rolling Stone Magazine‘ (dem ich eher mit Gemischten Gefühlen gegenüber stehe) ist er der drittbeste Gitarrist der Welt. Aber wie kommt eigentlich dieser unvergleichliche B.B. King-Sound zu stande?

Nun, als ich ihn letztes Jahr live sah, dachte ich mir, dass irgend ein mysteriöses Setup auf seinem Amp eingestellt ist – und der Amp auch was ganz besonderes ist. Ich war enttäuscht. B.B. verwendet schon lange einen recht gewöhnlichen Amp, einen LabSeries L5 (2×12″-Combo), auch wenn die heute nicht mehr allzu leicht aufzutreiben sind. Den gleichen hat Les Paul übrigens auch bevorzugt. Nach einem kurzen Blick auf die Settings wurde die Enttäuschung fast noch größer: Einfach alle Potis waren voll aufgerissen. Kreativ!

B.B. King und Lucille (2008) (c) bbking.com

Okay, am Amp kann es also nicht liegen, dass er so einen unvergleichlichen Klang hat. Gehen wir weiter zur Gitarre. B.B. King sieht man auf der Bühne eigentlich nie ohne seine Lucille (Bzw. einer seiner Lucilles). Zu dem Namen gibt es übrigens eine nette Anekdote, die er gelegentlich gern selbst erzählt: Er hatte einmal einen Gig in einer Bar mit seiner modifizierten ES335. Etwa in der Mitte des Konzerts ist dann ein Feuer ausgebrochen. Alle sind geflohen, und als B.B. (der eigentlich Riley heißt) draußen war musste er feststellen, dass er seine Gitarre vergessen hatte. Er ging also noch einmal in das Brennende Gebäude und rettete sie unter Einsatz seines Lebens. Später fand er heraus, dass das Feuer entstand, weil sich zwei Typen um eine Frau namens Lucille gestritten haben. Diesen Namen hat er seiner Gitarre vermacht.

Ich habe mich also nach dem Konzert mit zwei Bekannten unterhalten, die beide selbst eine Lucille haben, nur leider hatte ich bis dato nicht das Vergnügen, einmal eine anzuspielen. Es kam aber aus beiden Ecken im Grunde die gleiche Aussage: Aus der Gitarre kommt so viel Pegel raus, dass sie dem Amp quasi ihren Sound aufdrückt – und sich von Haus aus verzerrt. Kombiniert mit dem absichtlich unperfekten Spielstil mit nur halbgaren Bendings und der Ruhe, mit der er spielt, ergibt das genau seinen Sound. Viele Fans meinen auch, ihn an nur einem einzigen Ton zu erkennen (In der Regel ist damit gemeint, wie er das hohe Fis spielt). Da kann ich nur zustimmen!

Rätsel gelöst. Achja, Saiten: B.B. verwendet offiziell natürlich seine Signature Saiten von Gibson.

Am Ende des Konzerts verteilte B.B. King übrigens noch goldene Plektren ans Publikum, bevor er dann seinen Mantel und Hut auf die Bühne gebracht bekam, sich gehfertig machte und – ohne sich noch mal umzudrehen – davon stapfte.