Time to get Lazy

Jon Lord war kein Gitarrist. Trotzdem schreibe ich gern über ihn, er ist für mich immer eine Art Musikervorbild gewesen, und die Art, wie er seine Hammond beherrschte, war wohl einmalig.
Eine seiner größten Stärken: Er wusste schon in den 60ern, zu Zeiten vor Deep Purple’s „Machine Head“, dass er ein Solo nur interessant gestalten konnte, wenn es a) nicht zu lang war oder er zu häufig das Selbe spielt und b) man eine Spannungsbogen nur dann voll zur Geltung bringen kann, wenn die gesamte Band darin involviert ist, Solo hin oder her.
Genau das schaffte er exzellent. Gerade in Stücken wie „Lazy“ oder „Child In Time“ (Ich meine die original 10 Minuten-Version, nicht den Radio-Abklatsch) brilliert er durch Passende Tonlagenwechsel oder rasch angebrachte Stimmungswechsel. Gleichzeitig schafft er es aber immer, nicht „zu viel des Guten“ rauszuhauen.

Schon vor Deep Purple mochte Lord den klassischen Sound einer Hammond B3 kombiniert mit einem einfachen Leslie nicht besonders. Als Ritchie Blackmore sich dann schließlich der Truppe anschloss war klar, dass Lord quasi den Rhythmusgitarristen ersetzen oder zumindest ein zur Musikrichtung und zu Blackmores Sound und Stil passendes Fundament schaffen musste.
Lösung: zum Leslie einfach noch Unmengen Gitarren-Amps und Cabinets hinzufügen und alles ordentlich verzerren. (Man entschuldige mir hier bitte eine kleine Wahrheitsverzerrung, ich bin einfach kein Hammond-Experte).

Jon Lord 2009 - Photo by Jonlord.org

Jon Lord 2009 – Photo by Jonlord.org

Ein weiteres Anliegen Lords war es, Klassische Musik mit klassischem Hardrock zu vereinen. Das beste Beispiel hierzu ist wohl sein Concerto for Group and Orchestra, das Deep Purple 1969 mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter widrigsten Umständen zum besten gab, denn die damaligen Musiker weigerten oder Sperrten sich teilweise, diese Mischung zu spielen, da sie der Auffassung waren, dass eine Rockband nichts im Ensemble zu suchen habe.

2011 Erhielt er übrigens für Werke wie dieses ein Ehrendoktorat der University of Leicester, quasi seiner Heimatuniversität, denn er kommt aus Leicester.

Diese Kombination und insbesondere dieses Arrangement lies Lord bis zu seinem Tod keine Ruhe: sein Letztes Album war eine Studioversion des Concerto for Group and Orchestra, die er mit größen wie Joe Bonamassa , Iron Maidens Bruce Dickinson und natürlich Deep Purples Steve Morse verwirklichte er seinen großen Traum.

Empfehlenswert zu hören sind prinzipiell alle Jon Lord-Werke. Ganz besonders das Concerto for Group and Orchestra und das Jon Lord Blues Project. Zu guter letzt noch ein absoluter Klassiker  von 1999, in dem Lord sein – außer Frage stehendes -Können unter Beweis stellt:

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